Cases
Strategieentwicklung

Case Study: ROI-Messung von Early Stage Digitalinitiativen in der Energiebranche

Stefan Benndorf
Partner & Founder

Ausgangssituation

Die Elia Group, ein führender europäischer Stromnetzbetreiber mit Tochtergesellschaften in Belgien und Deutschland, betreibt mit „The NEST“ einen internen digitalen Inkubator. Dieser evaluiert jährlich mehr als 25 potenzielle Kandidaten für digitale Initiativen und entwickelt ausgewählte Ideen zu marktreifen Minimum Viable Products (MVPs). Die Elia Group wandte sich an scaleon mit einer zentralen Herausforderung: Wie lässt sich der Wertbeitrag früher digitaler Innovationen transparent und nachvollziehbar bewerten?

Case Study: Entwicklung eines ROI für digitale Initiativen bei der Elia Group

Dieses Whitepaper zeigt am Beispiel der Elia Group, wie sich der Wertbeitrag früher digitaler Innovationen transparent und nachvollziehbar bewerten lässt.

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Herausforderung

Bei der Analyse der Situation wurden drei zentrale Handlungsfelder identifiziert:

  1. Heterogene Projektlandschaft: Das NEST-Team muss ein Portfolio höchst unterschiedlicher digitaler Ideen bewerten, jede mit eigenen Zielen, Ressourcenanforderungen und potenziellen Auswirkungen.
  2. Unsicherheit und immaterielle Vorteile: Viele frühe digitale Innovationen erzeugen Were, die sich nicht sofort in finanziellen Kennzahlen niederschlagen.
  3. Fragmentierter Bewertungsprozess: Es fehlte ein durchgängiger Bewertungsansatz, der sowohl die Vorauswahl vielversprechender Ideen als auch die nachträgliche Erfolgsmessung umfasste.

Traditionelle ROI-Modelle erwiesen sich als ungeeignet für diese frühen Innovationsprojekte. Die Bewertung basiert überwiegend auf subjektiven Einschätzungen, mit begrenzter Quantifizierung und unzureichender nachträglicher Validierung. Dies erschwerte sowohl die Auswahl der vielversprechendsten Ideen als auch den Nachweis des langfristigen Wertbeitrags des Inkubatorprogramms.

Lösung: Der N-ROI-Ansatz

In enger Zusammenarbeit mit dem Kunden entwickelte scaleon den „N-ROI“-Ansatz (NEST Return on Investment), ein fünfstufiges Framework zur ganzheitlichen Bewertung von Innovationsinitiativen:

  1. Initiale Checkliste: Ein effizienter Screening-Prozess mit definierten Kriterien wie Marktbedarf, strategischer Ausrichtung und Nutzerpotenzial, um ungeeignete Ideen frühzeitig auszusortieren.
  2. N-ROI Scoring-Modell: Eine strukturierte Bewertung in fünf Kernbereichen (Wünschbarkeit, strategische Auswirkung, betriebliche Auswirkung, Investitionsanforderungen und Machbarkeit) mit einer dualen Skala, die sowohl Auswirkung als auch Bewertungssicherheit erfasst.
  3. NEST-Prototyping-Phase: Entwicklung einer Minimum Viable Solution zur Validierung der Annahmen und Erkennung von Verbesserungspotenzialen vor der vollständigen Implementierung.
  4. Post-NEST-Validierung: Neubewertung nach der Implementierung und Erstellung eines standardisierten Business Cases zur Dokumentation der tatsächlich realisierten Vorteile.
  5. N-ROI Kohortenanalyse: Zusammenfassung der Ergebnisse einzelner Projekte zu einer Gesamtbewertung des Portfolios, die den kumulativen Nettonutzen dem Gesamtaufwand gegenüberstellt.

Implementierung

Die Implementierung findet in drei Phasen statt:

  1. Analyse bestehender Ansätze: Das Beraterteam untersuchte den bestehenden Innovationsprozess und analysierte frühere Projekte, um Muster erfolgreicher und gescheiterter Initiativen zu identifizieren.
  2. Entwicklung des ROI-Frameworks: Basierend auf Branchenstandards und spezifischen Anforderungen entwickelte scaleon ein maßgeschneidertes ROI-Modell, das sowohl quantitative als auch qualitative Faktoren berücksichtigt.
  3. Rückwärtsprüfung und Optimierung: Das Framework wurde an ausgewählten Projekten getestet und iterativ verfeinert, um Praktikabilität und Anpassung an die Unternehmensrealität sicherzustellen.

Impact

Die Implementierung des von scaleon entwickelten N-ROI-Ansatzes hebt folgende Potentiale:

  1. Beschleunigte Entscheidungsfindung: Durch den strukturierten Vorfilter-Prozess kann die Zeit von der Ideeneinreichung bis zur Entscheidung deutlich verkürzt werden.
  2. Erhöhte Transparenz: Die standardisierte Bewertung ermöglicht objektive Vergleiche zwischen unterschiedlichsten Innovationsvorhaben.
  3. Verbesserte Ressourcenallokation: Durch frühzeitiges Erkennen nicht-vielversprechender Initiativen können Ressourcen gezielter eingesetzt werden.
  4. Nachweisbarer Mehrwert: Die Portfolio-Analyse liefert eine belastbare Grundlage zum Nachweis des Gesamtwertbeitrags.
  5. Kulturwandel: Der N-ROI-Ansatz fördert eine Kultur der „disziplinierten Innovation“, die Kreativität mit systematischer Bewertung verbindet.

Lessons Learned

Wichtige Erkenntnisse, die auch für andere Unternehmen relevant sind:

  1. Balance ist entscheidend: Ein erfolgreicher Innovationsbewertungsprozess muss ausreichend rigoros sein, um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen, aber auch agil genug, um den Innovationsgeist nicht zu ersticken.
  2. Mehrdimensionale Betrachtung: Die Bewertung früher digitaler Initiativen erfordert die Berücksichtigung sowohl quantitativer als auch qualitativer Faktoren.
  3. Kontinuierliche Bewertung: Innovationsprojekte sollten nicht nur zu Beginn und Ende bewertet werden, sondern kontinuierlich über ihren gesamten Lebenszyklus.
  4. Lernorientierung: Der N-ROI-Ansatz dient nicht nur der Projektauswahl, sondern schafft einen strukturierten Rahmen für organisationales Lernen aus Erfolgen und Misserfolgen.

Der entwickelte N-ROI-Ansatz demonstriert, wie Unternehmen den schwer fassbaren Wert früher digitaler Innovationen systematisch erfassen und steuern können. Diese Fähigkeit entwickelt sich in einer zunehmend von digitalen Transformationen geprägten Welt zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

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Stefan Portait

Stefan Benndorf

Partner & Founder

Stefan ist Founding Partner von scaleon und Experte für Strategie- und Organisationsentwicklung, Strategieumsetzung mit OKRs und anderen agilen Methoden sowie Digital Business Building. Vor scaleon war Stefan COO, CEO und Co-Founder verschiedener Digitalunternehmen und auf mehreren Kontinenten aktiv. Stefan arbeitete mehrere Jahre bei der Top-Management-Beratungsfirma Altman Solon für Telekommunikations-, Medien und Private Equity Unternehmen. Er hat Abschlüsse in Business und Public Administration, Public Policy von der Handelshochschule Leipzig (HHL), der London School of Economics (LSE) und der Hertie School of Governance.

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